Diversity-Tag

„Lasst uns die Vielfalt feiern“

Unter dem Motto „Celebrate Diversity“ haben am 31. Mai, dem 10. Diversity-Tag, bundesweit mehr als 3000 Veranstaltungen stattgefunden, um das Jubiläum zu feiern und für mehr Vielfalt in der Gesellschaft zu werben. In der Hauptverwaltung der IGBCE in Hannover diskutierten die Teilnehmer*innen einer Talkrunde über das Thema und gaben dem Publikum sehr persönliche Einsichten.

10. Diversity-Tag

Die Teilnehmer*innen der Talkrunde: Philipp Hering, Nathalie Niemuth und Ulrike Uebel mit der Moderatorin Sabine Winterwerber (von links)

Foto: © IGBCE

Nathalie Niemuth sprach über ein entscheidendes Ereignis in ihren Leben: Mit 42 fasste sie den Mut zum „Outing“ und lebt seitdem nicht mehr als Mann, sondern als Frau. „In dem Moment fing ich an, das Leben auch lebenswert zu finden“, sagte sie. Doch der Weg dahin war steinig. Ihre Eltern akzeptierten ihre weibliche Identität damals nicht. Heute blickt die aus Moers stammende Frau aus einer anderen Perspektive zurück: „Mein Vater hat mir damals geholfen“, ist sie sicher. „Ansonsten wäre mein Leben damals zu Ende gewesen“, sagte sie unter Berücksichtigung der früheren gesellschaftlichen Verhältnisse.

Das Outing in ihrem Betrieb aus der Chemiebranche akzeptierte nicht jeder ihrer Kolleginnen und Kollegen. Es kam vor, dass sie nicht als Frau, sondern als „es“ angesprochen wurde. Mit der Zeit musste sie den betreffenden Personen nicht mehr selbst widersprechen, sondern andere Mitarbeiter*innen wiesen die Person zurecht. „Dann denke ich: Ein bisschen was hast du schon erreicht“, freute sich Nathalie Niemuth. Später erfuhr die ehrenamtliche Richterin am Landesarbeitsgericht, dass sie nicht der erste Mensch war, der sich in ihrem Betrieb geoutet hatte. „Die anderen waren nur nicht mehr da“, sagte sie. „Sie wurden weggemobbt.“

Fakten und Verständnis für die Vielfalt in der Gesellschaft

Neben Nathalie Niemuth saß Dr. Ulrike Uebel, seit 2018 Continental-Betriebsrätin, und berichtete über ihren Weg. Sie selbst kann sich inzwischen als multipel queer einordnen. Schon seit ihrer Teenager-Zeit ahnte sie, dass sie nicht so ist wie ihre Mitmenschen. „Am schlimmsten sind die Zuschreibungen und Wertungen anderer Menschen; die haben Leidensdruck ausgelöst, nicht die Tatsache an sich“, sagte die promovierte Naturwissenschaftlerin. Das führte häufig dazu, dass sie sich falsch gefühlt und einfach getarnt habe. "Mit der Konsequenz in weiten Strecken meines Lebens nicht wirklich wahrhaftig gelebt zu haben", sage sie. Zu groß sei die Sorge gewesen, als „Nerd“ abgestempelt zu werden – auch am Arbeitsplatz.

Das Internet und die sozialen Medien sorgten für Aufklärung. Als sie verstand, dass es in der Welt Menschen wie sie gibt, fühlte sie sich sehr erleichtert. Und ein besseres Verständnis und Fakten darüber, wie divers Menschen orientiert sind oder sich fühlen, wünscht sie sich auch für die Gesellschaft.

Denn diese Vielfalt betrifft nicht wenige Menschen direkt: Laut Studien eines Berliner Marktforschungsunternehmens fühlen sich gut 7,5 Prozent der Menschen in Deutschland als queer. Das entspricht etwa 3,3 Millionen Erwerbstätigen.

Klare Haltung zur Vielfalt im Betrieb

Als dritter Teilnehmer der Talkrunde lenkte der IGBCE-Bundesjugendsekretär Philipp Hering daher den Blick auf den Betrieb und das Thema Ausbildung. Er sieht zwar mehr Akzeptanz für queere Menschen in der jungen Generation, doch es bleibe viel zu tun. Die IGBCE lade deshalb zum Beispiel Ausbilder*innen zu Workshops ein, um sie für das Thema zu sensibilisieren. Hering sprach sich dafür aus, in die Betriebe zu gehen – mit einer klaren Haltung für eine diverse Gesellschaft: „Wenn wir uns alle verstecken und nicht aufstehen, dann wird das auch nichts.“

 Gibt es denn überhaupt einen Grund, das Jubiläum des Diversity-Tags zu feiern? Nathalie Niemuth ist optimistisch: „Vielfalt ist in aller Munde und immer mehr Firmen unterzeichnen die Charta der Vielfalt – das ist doch riesig.“

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9. Diversity-Tag
Foto: © Sabine Winterwerber
Vielfalt

Jeder Mensch ist unterschiedlich und seine Lebensentwürfe sind sehr vielfältig. Doch was sind unsere Gemeinsamkeiten? Wie kann diese Vielfalt unsere moderne Gesellschaft und unsere Arbeitswelt bereichern?

Einheit durch Vielfalt - Charta der Vielfalt e. V.
Foto: © Charta der Vielfalt e. V.
Die IG BCE ist Unterzeichnerin der „Charta der Vielfalt“
Einheit in Vielfalt

Jeder Mensch ist individuell und einzigartig. Gerade aus dieser Unterschiedlichkeit erwächst das Gemeinsame – getreu dem Leitspruch: Einheit in Vielfalt. Die IG BCE steht als Vertreterin der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ihren Branchen für die Akzeptanz, Förderung und Wertschätzung dieser Vielfalt. Um dies symbolisch zu verdeutlichen, unterzeichnete die IG BCE im Jahr 2017 die Charta der Vielfalt.